Und was ist mit dem Thema Missbrauch in der evangelischen Kirche?

 

 

Auch bei uns hat es viel zu viele solcher Verbrechen gegeben. Vor allem in den Einrichtungen der Jugendhilfe der Diakonie gab es seit den 1950er Jahren auch sexualisierte Formen der Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen, wie leider auch bei vielen anderen, nichtkirchlichen Trägern der Jugendhilfe. 881 Fälle seit ca. 1950 sind deutschlandweit aktenkundig.

 

Kritiker haben der evangelischen Kirche vorgeworfen, sie reagiere nicht mit einer Stimme, sondern mit einer Vielzahl an Formen und Strukturen der Aufarbeitung. Geschuldet ist dies ihrer dezentralen, föderalen Struktur.

 

So hat es bis zum Jahr 2018 gedauert, bis die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland mit einem „Elf-Punkte-Plan“, der mittlerweile m.W. weitestgehend umgesetzt wurde, entscheidende Markierungen für Aufarbeitung und Prävention gesetzt hat. Bemerkenswert finde ich die in Auftrag gegebene Studie, die die „systemischen Risiken“ (!) innerhalb der evangelischen Kirche analysieren und daraus Konsequenzen erarbeiten soll.

 

Bei uns in der Gemeinde wurde kürzlich nach den Vorgaben der Landeskirche ein umfangreiches Schutzkonzept erarbeitet. Im Kirchenkreis Köln-Nord gibt es seit mindestens 10 Jahren verpflichtende sexualpädagogische Fortbildungen für alle, die haupt- und ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

 

Hoffen wir, dass alle diese Maßnahmen sowie ein lebendiger, menschenfreundlicher und respektvoller Umgang mit den uns anvertrauten
Menschen helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

 

Rolf Lenhartz