Suche Frieden: Ich mit mir und…

 

 

Was für ein schönes Motto: ‚Suche Frieden und jage ihm nach!‘

 

Schön, weil es einen auffordert aktiv zu werden und gleichzeitig dranzubleiben. Dabei geht es nicht um die Umsetzung der berühmten wie nutzlosen ‚guten‘ Vorsätze für’s neue Jahr unter Verwendung sämtlicher Coaching-Tricks. Schön eben auch, weil hier der Frieden in den Mittelpunkt der persönlichen Mühen rückt, und das bei einem oft nicht rosigen Parcours im Alltag, in dem uns auch Stress, Angst, Ablehnung, Diskriminierung, Rücksichtslosigkeit, Aggressivität, Machtspielchen, Einsamkeit oder Kränkungen belasten können.

 

Wie schwer ist das schon im täglichen Kleinklein, wie hoffnungslos im großen Rad des Weltgeschehens! Bleiben wir bei uns selbst, da haben wir es in der Hand: Habe ich den Frieden wahrhaftig gesucht oder die Auseinandersetzung, die Versöhnung oder den Streit? Habe ich in guter Absicht provoziert oder die Deeskalation aktiv angestrebt?

 

Jeden Tag haben wir die Wahl zwischen Rückzug, Schlucken, Reden, Miteinander, Ausgleich oder Durchsetzung und Kampfansage. So oder so ist es anstrengend, kostet Zeit und Kraft. Doch am Ende lohnt das friedliche Miteinander, die Aussöhnung aller Anstrengungen, man wird reich belohnt und vielfach beschenkt. Umgekehrt verlieren alle, auf lange Zeit.

 

Was gäbe mancher nicht alles, um endlich seinen Frieden zu haben: Frieden mit den Nachbarn, mit den Kindern, mit den Eltern, mit der Familie, mit dem lieben Geld, dem Job, dem Schicksal, dem Alter, mit Krankheiten, der Figur, den Lebensumständen und weiß der Teufel nicht alles, was uns belastet. Gut denn, alles auf einmal ist vielleicht etwas viel verlangt, aber mal eine einzige Sache, die einen wurmt, schon lange womöglich – jetzt ist eine gute Gelegenheit: ‚Suche Deinen Frieden und jage ihm nach!‘. Probieren wir gemeinsam den ersten Schritt auf einem steinigen Weg.

 

In unserer kleinen Gemeindebrief-Redaktion haben wir mal den Anfang gemacht:

 

Liane Scholz, Pfarrerin


M e i n e n Frieden finden möchte ich gerne im Blick auf die Diskrepanz z w i s c h e n meiner Idealvorstellung von der Sorge um meine Eltern und meinen tatsächlichen Möglichkeiten. Ich wünsche mir, dass ich da die Un-Möglichkeiten zu akzeptieren lerne und dadurch innerlich ruhiger werde.“

Rolf Lenhartz, Pfarrer, Redaktion Gemeindebrief

„Meinen Frieden machen möchte ich damit, dass Veränderungen, die ich für sinnvoll oder notwendig halte, von anderen Menschen nicht oder nur mit Widerständen akzeptiert werden. Dann möchte ich aber auch nicht für die Folgen haften! Da das nicht immer geht, werde ich mich weiter dafür einsetzen, dass sich manches verändert: einfacher, humaner, sozialer, nachhaltiger… Niemals jedoch werde ich meinen Frieden damit machen, wenn Antisemitismus, Ausgrenzung, Fremdenhass und Stammtischparolen laut werden!“

Sabine Blume, Redaktion Gemeindebrief

„Mir ist für mein Wohlbefinden wichtig, dass ich jederzeit friedlich mit den Menschen in meiner Umgebung umgehen kann. Gibt es Spannungen, muss ich das ganz klar ansprechen, und zwar zeitnah, um genau so zeitnah eine Lösung zu finden. Wenn irgendetwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, regele ich das direkt…“

Jonas Heinrich, Redaktion Gemeindebrief

„Ich möchte meinen Frieden finden mit meinen Arbeitszeiten und mit meinem zweiten Kinderwunsch.“

Isabell Langkau, Redaktion Gemeindebrief

„Meinen Frieden möchte ich mit meiner Eigentümergemeinschaft und einem weiß-grauen Fassadenanstrich machen und damit, dass nicht allen an einem konstruktiven Miteinander gelegen ist. Und dann gibt es etliche Punkte, mit denen ich tatsächlich keinen Frieden machen will und wo es nachhaltiger Lösungen bedarf: Das morgendliche Verkehrschaos in Widdersdorf, die zunehmende Aggressivität auf Kölns Straßen; die Ausgrenzung, respektlose Behandlung und vermehrte Diskriminierung von alten und behinderten Menschen, besonders von Frauen; das Gerangel in der Straßenbahn um die knappen Sitzplätze; das lautstarke Telefonieren mit intimsten Inhalten; die bedrohliche Umweltverschmutzung und der Klimawandel; Machtmissbrauch allgemein.“