Stellungnahme zur ForuM-Studie

der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

 

Im Juni 2020 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine Studie mit dem Titel „Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ in Auftrag gegeben.

 

Die Studie wurde von einem externen Expertenteam durchgeführt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse fand am 25.01.24 statt.

 

Die Ergebnisse der Studie und die mit Mängeln behaftete Mitwirkung der Kirchen machen uns als Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit sehr betroffen, traurig und wütend. Jede Person, die Missbrauch erleben musste, ist eine zu viel.

 

Von daher müssen wir als Gemeinde ständig kritisch reflektieren, was wir tun, um das Risiko einer solchen Straftat so gering wie möglich zu halten.

 

2020 haben wir begonnen, ein Schutzkonzept für die Gemeinde zu erstellen und es nach vielen intensiven Beratungen durch das Presbyterium Anfang 2021 beschlossen. Schutzkonzepte sind in fast allen Einrichtungen der Sozialen Arbeit üblich und in einigen auch schon deutlich länger vorhanden.

 

Allerdings bilden wir bereits seit 2017 Teamer:innen von Ferienfreizeiten im Rahmen einer Juleicaschulung fort und verlangen von ihnen ein erweitertes Führungszeugnis. Seit 2021 müssen alle (ab 16 Jahre), die in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv sind, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. In einem erweiterten Führungszeugnis würden gerichtliche Verurteilungen vermerkt sein und potentielle Wiederholungstäter:innen werden ausgeschlossen.

 

Allerdings wissen wir auch, dass viele Straftaten in diesem Bereich nicht vor Gericht verhandelt werden, da es zu keiner Anzeige kommt oder Geschädigte nicht zum Prozess erscheinen.

 

Deshalb haben wir zusätzlich, im Zuge der Erarbeitung des Schutzkonzeptes, einen Selbstverpflichtungsbogen mit Hausregeln zu diesem Thema verfasst. Dieser muss ebenso unterschrieben werden wie eine Zusatzerklärung, in der es darum geht, dass gegen die unterschreibende Person weder wegen Missbrauch ermittelt wird noch ein Urteil aussteht. Selbstverpflichtungs- und Zusatzerklärung müssen von allen aktiven Menschen in der Kinder- und Jugendarbeit unterzeichnet werden, wenn sie Gruppen leiten.

 

Als Gemeinde positionieren wir uns mit diesen Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Allerdings ist uns bewusst, dass damit die Gefahr von Straftaten zwar sinkt, aber nicht ausgeschlossen werden kann. Unser Ziel ist eine professionelle und persönliche Kinder- und Jugendarbeit, die individuelle Grenzen achtet und Betroffene unterstützt.

 

Noël Bosch

 

 

 

Aus dem Schutzkonzept:

 

„Alles Handeln der Evangelischen Kirchengemeinde Ichthys unterliegt unserem Grundsatz: keine Vertuschung und ein Bestreben nach unvoreingenommener Prüfung des Sachverhalts. Das Wohl von Betroffenen hat stets Vorrang.“

 

Aus der Selbstverpflichtungerklärung:

 

„Ich verpflichte mich, dazu beizutragen, ein sicheres, förderliches und ermutigendes Umfeld für Kinder, Jugendliche und andere Schutzbefohlene zu erhalten und/oder zu schaffen.“