Segen für alle(s)?

 

 

Eine Kreuzkette zur Taufe, das Haus oder die Wohnung, ein Kindergarten oder sogar Autos, Motorräder und Kuscheltiere. Durch einen Segen empfehlen wir etwas der Aufmerksamkeit Gottes.

 

Als ich mich damit ein wenig beschäftige, stoße ich auf eine Meinung, die eher kritisch zu diesem Thema steht. In der evangelischen Kirche solle man Menschen segnen und keine Gegenstände. Doch nicht der Segnende selbst gibt seinen Segen einem Menschen oder einem Gegenstand. Er kann lediglich um den Segen Gottes bitten. Denn zunächst einmal ist eine Segnung keine magische Beschwörung, sondern `nur` die Bitte an Gott einen Teil dieser Welt ihm anzuvertrauen.

 

Bei einer Taufe, Konfirmation oder Trauung bitten wir um Gottes Beistand in einer neuen Lebensphase. Doch warum nicht auch einen Gegenstand segnen, wenn es mir hilft, mich durch ihn an Gott zu erinnern und mich ihm näher zu fühlen? Bezieht sich nicht im eigentlichen Sinne dieser Segen auf die Menschen, die in diesem Haus zusammen leben/ dieses Feuerwehrfahrzeug fahren/ …?

 

Doch auch mit diesem Gedanken stoße ich an Grenzen. Denn Gegenstände sind unfassbar vielfältig, ebenso wie ihre Einsatzgebiete und Nutzen. Darf eine Waffe gesegnet werden, die damit Menschenleben zerstören kann? Ich lasse diesen Gedanken so im Raum stehen, denn letztlich ist er zu komplex, als dass ich ihn in Worte fassen kann. Ich muss Gott vertrauen, dass er die richtige Entscheidung trifft.

 

Doch in einer Hinsicht bin ich mir sehr sicher: Wenn wir Menschen es nicht selbst, die segnen – sondern lediglich Gott darum bitten, es zu tun – warum dann die Segnung homosexueller Menschen unterbinden? Wie können wir über etwas entscheiden, für das wir selbst nicht  verantwortlich sind. Diese Entscheidung steht Gott zu. Und ich bin mir sicher, er lässt jedem seinen Schutz zuteil, der danach fragt.

 

Theresa Waldvogel

 

 

 

Vor vielen Jahren, in meiner Ausbildungsstelle nach dem Studium: Mir wird die Aufgabe übertragen, gemeinsam mit dem Ortsbürgermeister der kleinen Kommune in Rheinland-Pfalz, dem katholischen Priester und dem Chef der freiwilligen Feuerwehr das neue Löschfahrzeug zu segnen. Ganz sicher bin ich in meiner Rolle nicht, schließlich hat man mir doch beigebracht, als Evangelische würde man nur Menschen segnen. Aber ich spüre, dass es eben diesen Menschen für ihr Leben und für ihre lebensrettende Aufgabe wichtig ist, dass das Fahrzeug gesegnet ist. Nach dem würdevollen Ritual, bei dem auch viel Weihwasser fließt, sagt der Bürgermeister spontan zur anwesenden bzw. angehenden Geistlichkeit: „Wir fahren jetzt zum Sportplatz. Die neue Toilette ist noch nicht gesegnet…“

 

Rolf Lenhartz