Persönliche Eindrücke zur Ökumene

 

 

Wir haben unterschiedlichste Menschen außerhalb unserer Gemeinde um Eindrücke zur Ökumene gebeten. Wir wollten wissen, was die Menschen mit Ökumene verbinden, was ihnen diesbezüglich fehlt und welche Wünsche bzw. Visionen sie für die Ökumene haben. Lassen Sie sich inspirieren!

 

 

 

Ökumene ist für mich das friedliche Zusammenleben und -arbeiten sämtlicher christlicher Konfessionen auf jeglicher Ebene. Auch wenn es in den letzten Jahrzehnten einen riesigen Prozess hin zu mehr Ökumene gab, gibt es immer noch Luft nach oben. Vor allem die Kooperation in den höheren Entscheidungsebenen zwischen den einzelnen Konfessionen lässt zur Zeit noch zu wünschen übrig. Dies erschwert den in den einzelnen Gemeinden oftmals großen Willen, stärker ökumenisch  zusammenzuarbeiten, unnötigerweise. Doch dass dieser Wille gerade von unten her kommt, zeigt, dass die zwar immer noch in weiter Ferne liegende Vision einer geeinten christlichen Kirche trotz aller Differenzen ihre Abstraktheit verloren hat.

 

Philipp, 18

 

 

Mit Ökumene verbinde ich die großen und kleinen Projekte und Aktionen, in denen wir uns auf das besinnen, was uns verbindet und nicht das, was uns trennt. Gerade in Zeiten der Krisen fehlt mir oft die Bereitschaft, sich auf dieses Gemeinsame zu besinnen.

 

Ich wünsche mir, dass wir uns noch viel häufiger auf diese Gemeinsamkeiten besinnen und dabei den Menschen zeigen, dass auch die Institution Kirche im 21. Jahrhundert modern und offen für alle Menschen ist. Meine Vision ist eine Kirche, die alte Konflikte überwindet, ökumenisch zusammenarbeitet und den Menschen echte Antworten auf aktuelle Probleme gibt. Dabei zeigt meine Kirche der Zukunft ihren Mitgliedern durch unterschiedlichste Angebote klar und offen, was sie von ihr haben.

 

Daniel, 36

 

 

Ich bin geboren und aufgewachsen in einem kleinen katholisch geprägten Dorf. Die Kirche war für mich Abbild der gesamt-gesellschaftlichen Situation und ich begann in meiner Jugendzeit bereits die Strukturen der beiden Konfessionen miteinander  zu vergleichen und die jeweiligen Vor- und Nachteile herauszuarbeiten. Ich ging sehr kritisch mit meiner eigenen Konfession um und fand mich oftmals in der anderen Konfession besser wieder als in meiner eigenen.

 

Ich beschloss gemeinsam mit meinem evangelischen Mann, unsere Kinder evangelisch taufen zu lassen. Dennoch fühlte und fühle ich mich in der katholischen Kirche heimisch, vertraut und aufgehoben. In diesem Spannungsfeld kommt mir die Ökumene sehr entgegen, da sie Brücken schlägt ohne Vergleiche zu wollen. Ökumene stellt sich für mich als eine Möglichkeit dar, konfessionsübergreifend und bewertungsfrei Christin zu sein, unterschiedliche Interpretationen zulassen zu können und in Dialog zu treten. In diesen Zeiten liegt es als Katholikin nahe, sich mit der eigenen Konfession besonders kritisch auseinanderzusetzen – hier hilft mir die Ökumene, mehr das Christ-Sein in den Vordergrund zu rücken, christliche Werte in ihrer Gesamtheit zu sehen und den Fokus von den Defiziten weg hin zu Chancen und Ressourcen zu legen. So können wir im Mikrokosmos Christentum Einfluss nehmen auf die Gesamtgesellschaft, indem wir Dialog, Akzeptanz und bewertungsfreien Umgang mit anderen Perspektiven leben.

 

Ingrid, 44

 

 

Vor Gott sind wir alle gleich, da gibt es keinen Unterschied zwischen evangelisch, katholisch, orthodox, … Uns eint der Glaube an einen gemeinsamen Gott, den wir alle um Hilfe bitten können, ganz gleich, ob wir beim Glaubensbekenntnis von der „heiligen katholischen“ oder der „heiligen christlichen Kirche“ sprechen. Die Kirche der Zukunft muss off en zu der 

„normalen“ Welt sein und nicht zu verbohrt an Werten der Kirche der Vergangenheit festhalten. Das führt ja zu nichts und passt einfach nicht in die heutige Zeit.

 

Ursula, 74 Jahre

 

 

Ökumene im Bereich unserer Gemeinde

 

Das sagten uns einige ökumenisch engagierte Menschen aus unseren Gemeinden, als Reflexion ökumenischer Aktionen, als persönliche Erinnerungen und zu besonderen Momenten.

 

 

Ökumene in der Jugendarbeit

 

Ich erinnere mich gerne an die ökumenischen Jugendgottesdienste, die wir gestreamt haben, zurück. Es war oft ein Ringen um Inhalte und Formen und um Fragen nach der Ausgestaltung – eben weil es ökumenisch sein sollte. Aber das Ringen hat Spaß gemacht, zum Perspektivwechsel angeregt und dazu, neue gemeinsame Wege zu finden.

 

Sarah Didden

 

 

 

Impulse für den Umweltschutz

 

Schwerpunkt unserer ökumenischen Zusammenarbeit sind m. E. die Gottesdienste zum Weltgebetstag und zum Buß- und Bettag. Größere Breitenwirkung haben allerdings die nicht im engeren Sinn religiösen Angebote wie ökumenische Spaziergänge und die gemeinsam organisierten Jazzabende entfaltet.

 

Auch unsere Gemeindefahrten und die Veranstaltungen von 39+ werden gern ökumenisch genutzt. Einen belebenden Impuls erwarte ich von den Aktionen zum Schutz der Umwelt (Müllsammeln, Recycling, naturnahe Gestaltung im Umfeld der Gotteshäuser und was an guten Ideen hoffentlich noch dazu kommt).

 

Irene Görtz

 

 

Der Jazzabend – eine Tradition

 

Seit vielen Jahren bin ich mit der evangelischen Kirchengemeinde verbunden, vor sehr vielen Jahren als Küsterin und ich  erinnere mich an die Zeit, in der wir während der Renovierung der katholischen Kirche St. Jakobus viele Wochen  unkompliziert unsere Gottesdienste im Gemeindehaus feiern durften und uns sehr willkommen gefühlt haben.

 

Nun bin ich im Ortsausschuss St. Jakobus tätig und freue mich über die freundschaftliche Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde. Jede einzelne Veranstaltung und Zusammenarbeit ist auf unterschiedliche Weise bereichernd und schön: Seit 22 Jahren, feiern wir gemeinsam den Buß- und Bettag und es prägt die Vorbeitungstreffen, dass wir uns in einem angenehmen Miteinander über den von uns ausgewählten Evangelientext austauschen und dabei manches Mal über unseren eigenen Glauben sprechen. Ich empfinde es als besonderes Geschenk, dass es da kein „evangelisch“ oder „katholisch“ gibt, sondern dass wir als geschwisterliche Christen miteinander Gottesdienst feiern.

 

Es gibt noch etliche gemeinsame Projekte, aber ich will an dieser Stelle den nun schon zur Tradition gewordenen Jazzabend nennen, den wir seit vielen Jahren gemeinsam auf die Beine stellen. Da gibt es im Vorhinein einiges zu planen und vor allen Dingen am Tag selbst auf die Beine zu stellen. Da geht es ums Anpacken und Mitmachen und es macht immer wieder Freude, wenn durch die Arbeit Hand in Hand etwas möglich ist, das viele Menschen in Widdersdorf zusammenbringt.

 

Karin Golbs

 

 

Der Kreuzweg als Verbindung

 

Hier vor Ort funktioniert der ökumenische Kreuzweg gut. Es ist jedes Jahr wieder interessant, wie wir im Vorbereitungsteam miteinander und voneinander lernen, wie gegenseitige Wertschätzung vertieft wird und Unterschiede in Glaubens- und Zugangsfragen offen besprochen werden können.

 

Christel Greiser-Garritzmann

 

 

In den letzten 60 Jahren hat sich eine Menge getan!

 

Wenn ich an Ökumene denke, kommt mir sehr schnell in den Sinn: Das Glas ist viel mehr als halbvoll. Aus vielen Gesprächen mit älteren Gemeindemitgliedern habe ich erfahren, was sich in den letzten Jahrzehnten alles entwickelt hat. Vor allem, wenn wir bedenken, wo wir noch bis in die 60-iger Jahre standen, als Abgrenzung und Konfrontation das ökumenische Mit- oder besser Nebeneinander beherrschten. Vieles, was früher undenkbar war, ist uns mittlerweile selbstverständlich geworden – wenn ich etwa an die vielen gemeinsamen Gottesdienste, Begegnungen und Initiativen auf den unterschiedlichen Ebenen kirchlichen Lebens denke. Bei allem Verständnis für die drängende Ungeduld, die manche ökumenisch Engagierte umtreibt, sollten wir einerseits das bislang Erreichte nicht kleinreden.

 

Andererseits kann man, wie bei allen lebendigen Prozessen, das Zusammenwachsen auch nicht erzwingen. Auf Zukunft hin glaube ich, dass die Ausdifferenzierung der christlichen Konfessionen immer weniger Bedeutung haben wird. Es kommt darauf an, dass wir als Christinnen und Christen in der Gesellschaft tätig sind. Wir haben eine Botschaft, die von immer weniger Menschen angenommen wird. So ist es wichtig, dass wir gemeinsam in die Zukunft gehen und schauen, wo wir gebraucht werden.

 

Jürgen Hünten

 

 

Ökumenisch ist man weniger allein

 

Unter diesem Motto wollen wir mit der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgruppe Laudato Si gemeinsam ökologische und nachhaltige Projekte zusammen angehen. Als erster Schritt wird unsere Recyclingbar ökumenisch ausgedehnt. Viele weitere kreative Ideen stehen auf dem Plan. Lassen Sie sich überraschen!

Gisela Theis

 

 

Gemeinsam als Christen

 

Ich begreife mich als katholischer Christ – mit der Betonung auf CHRIST. Mir geht es nicht um irgendwelche Formularien, mir geht es um den gemeinsamen Glauben an unseren gemeinsamen Gott – und diesen Glauben will ich mit anderen Menschen mit Leben erfüllen, in diesem Fall mit evangelischen Mit-Christen. Wir reden miteinander – auf Augenhöhe. Wir, das sind die Hauptamtlichen und die „normalen“ Gemeindemitglieder. Das ist etwas, was nicht in allen Gemeinden selbstverständlich ist! Wir organisieren u.a. gemeinsam Gottesdienste und helfen uns, soweit notwendig und gewünscht.

 

Ich erinnere mich gern an den ökumenische Kreuzweg 2021, der leider nur digital stattfand. Auch wenn es bei der Aufnahme eine Panne gegeben hat, war das Resultat gelungen. Meine Highlights sind einerseits „mein“ gut funktionierendes ökumenisches Männerforum in Brauweiler. Andererseits ist es der Ökumenische Kreuzweg, der trotz der lang anhaltenden Einschränkungen durch Corona vorbereitet und durchgeführt werden konnte – und in diesem Jahr auch wieder mit einem echten Weg zelebriert wurde.

 

Rolf Clasen

 

 

Erinnerungen an das ökumenische Gemeindefest 2005

 

Die Zusammenarbeit der beiden Gemeinden empfinde ich als sehr angenehm, unkompliziert und produktiv. Der Austausch von Presbyterium und Ortsausschuss ist immer informativ, unterhaltsam und inspirierend. Durch die Bündelung unserer Kompetenzen, Kontakte und Unterstützer können wir Vieles möglich machen, was sonst nicht so einfach durchführbar wäre.

 

Gerne denke ich an die Jazzabende im Pfarrgarten, bei schönem Wetter und guter Musik ist der unkomplizierte Austausch ein tolles Erlebnis. Auch die ökumenischen Spaziergänge, mal zu den Widdersdorfer Höfen oder zu Bilderstöcken, habe ich in  guter Erinnerung. Dass der Buß- und Bettag nun schon so viele Jahre gemeinsam gestaltet wird, zeigt die kontinuierlich gute Zusammenarbeit.

 

Ein besonderes Highlight war für mich das Ökumenische Gemeindefest 2005 „Gemeinsam säen und ernten“, bei dem ein buntes Band von Kirchentür zu Kirchentür geknüpft und ein breites Angebot für die Gäste auf die Beine gestellt wurde. Die relativ kurzfristig geplante Osteraktion im ersten Lockdown 2020, der Osterspaziergang mit Quiz für die Kinder, Texten für Erwachsene usw. zeigten die Kreativität und Flexibilität auf beiden Seiten. Das Singen im Gospelchor „Thank God it`s Friday“  und die Gestaltung vieler Gottesdienste ist für mich persönlich ein Highlight, das ich nicht missen möchte.

 

Petra Weber