Mit den Konfis beim Bestatter

Interview mit zwei Teamer

 

Ich habe nun in meinen anderthalb Jahren in der Gemeinde viele Termine der Konfirmandinnen und Konfirmanden kennengelernt. Neben drei tollen Freizeiten und den regelmäßigen Treffen sind vor allem die Projekttage meines Erachtens eine gelungene Abwechslung. Dazu geht es häufig raus aus den Gemeinderäumen, in andere Räume oder Institutionen, um zu erfahren, was Kirche außerhalb des Gemeindehauses oder des Kirchenladens leistet oder womit sie konfrontiert ist.
So geht es auch mit jedem Jahrgang nach Brauweiler zum Bestatter. Zu diesem Besuch habe ich zwei Teamer des abgelaufenen Jahrgangs befragt und möchte das Interview hier gekürzt wiedergeben.

 

Wie häufig warst Du schon beim Bestatter?
Nadine Pisaric: Ich war schon drei Mal mit Konfigruppen dort.

Theresa Waldvogel: Zwei mal, einmal als Konfi und einmal als Teamer.

 

Hast Du Dich vorher mit dem Thema Tod beschäftigt?
Theresa: Als ich kleiner war, haben wir oft gespielt, dass wir ‚tot‘ sind, aber als ich angefangen habe zu verstehen, was das bedeutet, hatte ich immer Panik davor, dass Menschen, die mir wichtig sind, einfach weg sein könnten.

Nadine: Ja, durch den Tod meiner Urgroßmutter habe ich mich im Alter von 11 Jahren ausführlich mit dem Thema befasst. Zudem haben meine Eltern immer offen mit mir über das Thema Tod und Beerdigung geredet, weswegen es für mich schon immer ein Teil des Lebens war und mich immer beschäftigt hat.

 

Was hat Dich beim Bestatter am meisten beeindruckt?
Nadine: Die Natürlichkeit und Offenheit über das Thema zu reden, da es bei vielen Menschen Unbehagen auslöst, wenn man über dieses redet. Zudem fand ich die Fürsorge und Hilfe des Bestatters beeindruckend, die dieser den Familien und Angehörigen widmet, sodass diese den Tod des Verstorbenen besser verarbeiten können.

Theresa: Zum einen der Moment, als es uns erlaubt wurde in die Kältekammer zu gehen. Es hatte vielmehr etwas Andächtiges, als dass es unangenehm war. Zum anderen der Moment, als sich die Bestatterin einfach auf einen Sarg gesetzt hat. Wir waren alle für einen Moment wirklich perplex, welche Normalität sie ausgestrahlt hat.

 

Hat der Besuch Dir Ängste genommen?
Theresa: Ich glaube, nicht vollständig, aber irgendwie hat mir der Besuch gezeigt, dass nach dem Tod die Person nicht einfach abgeholt wird und weg ist, sondern, dass ich die Zeit und Unterstützung bekomme, die ich brauche um mich zu verabschieden.

Nadine: Ja, alleine, dass ich jetzt weiß, was nach meinem oder dem Tod von geliebten Menschen mit mir/ ihnen passiert und dass bei dem Fall jemand da ist, der mir/ meiner Verwandtschaft hilft, alles für die Beerdigung und sonstiges vorzubereiten.

 

Würdest Du den Besuch folgenden Konfi-Gruppen empfehlen?
Nadine: Ja, ich würde definitiv jedem empfehlen, im Rahmen der Konfigruppe einen Bestatter zu besuchen, da das Thema Tod ein natürliches und alltägliches Thema ist, was einem beim Bestatter verdeutlicht wird und wo man mögliche Ängste überwinden kann.

Theresa: Auf jeden Fall würde ich den Besuch beim Bestatter den folgenden Konfigruppen weiter empfehlen. Der Ausflug wirkt im ersten Moment vielleicht etwas befremdlich, weil das Thema Tod auch gerade in unserem Alter noch so weit entfernt und trotzdem beängstigend wirkt. Einmal beim Bestatter als ‚Nicht-Angehöriger‘ zu sein, bietet die Möglichkeit, noch mal ganz andere Aspekte wahrnehmen zu können und darüber nachzudenken.

 

Für mich war es der erste Besuch in meinem Leben beim Bestatter und das mit Ende 20. Auf der einen Seite ist man sicherlich froh darüber, wenn man möglichst spät in seinem Leben mit diesem Beruf konfrontiert wird. Auf der anderen Seite hat mir das noch mal die Augen auf ganz andere Art und Weise geöffnet, bekommen wir aus den Medien doch ein verschobenes Bild, da wir jede negative Nachricht kurze Zeit später in einer Online-Zeitung lesen können. So kann der Gedanke aufkommen, dass ein Bestatter häufig Kinder beerdigen muss oder Menschen, die bei einem Verkehrsunfall oder ähnlichem sehr schwer verletzt worden sind. Da wurde ich persönlich nochmal geerdet, indem uns erzählt wurde, wie selten dies der Fall sei. Ich habe dabei festgestellt, dass es befreiend sein kann, wenn man sich dem Thema stellt, auch wenn man – wie ich – vorab Bauchschmerzen hatte. Ich kann definitiv nach dem Besuch sagen, dass ich deutlich mehr Ahnung vom Leben habe als zuvor.

Noël Braun