Mehr Plastik, weniger ÖPNV

Die Corona-Pandemie als Chance für die Umwelt, für eine nachhaltigere Welt?

 

 

Fakt ist, dass die ersten großen Lockdowns für einen Rückgang der weltweiten Emissionen um 4,6 Prozent oder 2,5 Gigatonnen Kohlendioxid gesorgt haben. Das ist die stärkste Reduktion in der Geschichte der Menschheit. Klar ist aber auch, dass
diese „Einsparungen“ erzwungen waren und primär auf ausgefallenen Flugverkehr und einen geringeren Strom-, Heißwasser- und Gasverbrauch in den Vereinigten Staaten und in China zurückgegangen sind.

 

Also wird mit der Pandemie zumindest für die Umwelt alles besser? Die Antwort ist leider „Nein“. Denn nicht einmal diese global erzwungene Reduktion würde ausreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Und in dem Moment, als die Wirtschaft wieder anlief, stiegen auch sofort die Emissionen wieder.

 

Leider gibt es auch ansonsten weniger gute Nachrichten für die Umwelt. Wer mit offenen Augen dieser Tage durch das Leben läuft, dem fällt auf, dass der Müll und insbesondere der Plastikmüll rapide zugenommen hat. War es endlich möglich, seinen eigenen Becher im Kaffeehaus auffüllen zu lassen, haben nun die Coffee to go Becher wieder ihre Renaissance. An der Wurst- und Käsetheke sind eigene, wiederverwendbare Dosen auch nicht mehr zugelassen. Ganz fatal wird es durch die Massen von Masken. Immer mehr der Kunstfaser-Produkte sammeln sich am Straßenrand ebenso wie in der Natur. Und natürlich im Hausmüll.

 

Der Gewerbeabfall wird bis zum Jahresende unter dem üblichen Niveau liegen, dafür steigt das Müllaufkommen in den privaten Haushalten voraussichtlich um 2,26 Millionen Tonnen. Schuld daran ist zum Teil der Zuwachs beim Verpackungsmüll. Welcher wiederum einen wesentlichen Ursprung im Onlinehandel hat.

 

Das Einkaufen macht mit Maske einfach weniger Spaß. Während die Lieferung direkt nach Hause hinsichtlich der Ansteckungsgefahr ein sicheres Gefühl vermittelt, hat die Umwelt jedoch das Nachsehen. Neben den üblichen Kritikpunkten gegenüber dem Onlinehandel, wie schlechte Arbeitsbedingungen, häufige Retouren und Vernichtung von Rücksendungen, bekommt das Problem des zusätzlichen Verpackungsmülls eine wesentliche Dimension.

 

Es wird weniger geflogen und mehr Fahrrad gefahren, ein klarer Vorteil für die Umwelt. Nachteilig allerdings wirkt sich aus, dass sich Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher und im eigenen Auto sicherer fühlen. So kämpft der ÖPNV mit dramatischen Einbrüchen bei den Fahrgastzahlen und das Privatauto feiert sein Revival. Dieser Text soll nicht eine Fülle negativer Nachrichten sein, sondern ein Aufruf, dem Umweltschutz auch in der herausfordernden Zeit eine hohe Priorität zu geben Und auch wir bleiben nicht müde.

 

Das neue Projekt, das Gemeindehausdach mit einer Photovoltaikanlage zu versehen, schreitet voran. In den nächsten Gemeindebriefen werden wir Sie und Euch mit weiteren Details auf dem Laufenden halten.

 

Jonas Heinrich