Kirchensteuer?! Warum geht die ans Finanzamt?

 

 

Seit 1919 sind Kirche und Staat getrennt. Trotzdem betrauen sich Kirche und Staat gegenseitig mit Aufgaben.

 

Das sogenannte Subsidiaritätsprinzip besagt, dass der Staat wichtige gesellschaftliche Aufgaben nicht selbst wahrnimmt, sondern freien Trägern überantwortet. Die Kirchen nehmen für den Staat Aufgaben wahr und erhalten dafür Zuwendungen aus öffentlichen Kassen wie jeder andere freie Träger auch.

 

Diese Gelder werden für zahlreiche Einrichtungen und Dienste der evangelischen Kirche eingesetzt, welche Angebote für alle Bürger machen – unabhängig davon, ob sie Mitglied der Kirche und/oder welcher Herkunft sie sind. So kommen das Tun und die Einnahmen der Kirche der  gesamten Gesellschaft zugute.

 

Insbesondere in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Seelsorge, Jugendarbeit, Bildung und Kultur unterhält die evangelische Kirche viele  Einrichtungen.

 

Gewinnmaximierung oder hohe Renditen sind nicht das Ziel!

 

Einnahmen werden umgehend wieder in die kirchliche Arbeit investiert und kommen der Gesellschaft insgesamt zugute. Um das sicherzustellen, können einzelne Personen nicht allein über die Mittel verfügen, da alle Ausgaben immer in einem Haushaltsplan ausgewiesen werden müssen.  Diese Haushaltspläne sind öffentlich.

 

Woher kommen die Einnahmen der evangelischen Kirche?

 

In Summe kommen die Einnahmen der evangelischen Kirche, ausgedrückt in Prozent aus:

• 45,9 Kirchensteuer und Kollekten

• 26,2 Fördermittel und Zuschüsse von Dritten (v.a. Zuwendungen nach dem Subsidiaritätsprinzip)

• 8,2 Entgelte für kirchliche Dienstleistungen

• 7,2 Vermögenseinnahmen

• 12,4 Sonstige

 

Zurück zur Eingangsfrage:

 

Was hat der Staat denn nun mit der Kirchensteuer zu tun? Die Kirchensteuer ist doch eher ein Mitgliedsbeitrag. Warum also zieht das Finanzamt diese ein?

 

Würde die Kirche diese Beiträge selbst einziehen, müsste sie dafür eigens Strukturen schaffen. Das hätte erhebliche Kosten zur Folge. Viel praktischer ist die Erhebung über das Finanzamt – das über alle dafür notwendigen Daten verfügt und diese sicher verwaltet. Die evangelische Kirche bezahlt das Finanzamt für diese Dienstleistung.

 

Zudem sind die Beiträge individuell ausgewogen. Das bedeutet: Die evangelische Kirche berücksichtigt die jeweilige finanzielle Situation ihrer  Mitglieder. Wer weniger verdient, zahlt auch weniger. Tatsächlich zahlt nur knapp ein Drittel der Mitglieder der evangelischen Kirche dadurch auch Kirchensteuer. Die Kirchensteuer ist also ein gesellschaftlicher, fairer Beitrag für eine große Angebotsvielfalt, welche der gesamten  Gesellschaft zugute kommt.

 

Wird denn das gesamte Geld ausgegeben, was eingenommen wird?

 

Nein!

 

Und was passiert mit dem Rest?

 

Der Rest wird angelegt, um Vorsorge für zukünftige Verpfichtungen zu treffen – etwa für die Versorgung der Pfarrerinnen und Pfarrer oder die Gebäudeunterhaltung. Bei der Anlage gelten drei Standards.

 

• Die Geldanlage soll im Einklang mit dem kirchlichen Auftrag erfolgen;

 

• sie soll ethischen Kriterien entsprechen…

 

• …und sie soll nachhaltig sein: ihre Auswirkungen auf die Mitwelt und die Nachwelt sollten bedacht werden.

 

Wer Lust auf mehr Details hat, landet über den QR-Code auf einem ansprechenden, informativen Flyer der evangelischen Kirche in Deutschland.

 

Jonas Heinrich

 

 

 

 

 

 

 

Ist das gerecht?

Wenn jede*r nach den eigenen Möglichkeiten etwas beiträgt und dabei andere mitträgt?

Wenn jede*r selbst entscheiden kann, wie viel er gibt?

Wenn jede*r einen Beitrag zur sozialen Gestaltung in Deutschland leisten muss, aber entscheidet, wer das Geld bekommt?

Was denken Sie?