Glaube? Ja! – Kirche? Nein!

 

 

Die Kirchenaustrittswelle hat auch unsere Gemeinde erreicht.

 

Wenn ich Wochen nach dem erfolgten Kirchenaustritt von diesem über das Amtsgericht erfahre, ist es allerdings schon zu spät, um mit den  kirchenaustrittswilligen Menschen ins Gespräch zu kommen, damit diese dann möglicherweise eine andere Entscheidung treffen.

 

Trotzdem schreibe ich alle Menschen an, die unsere Gemeinde durch Kirchenaustritt verlassen haben, und bitte sie, mir ihre Motivation zu  diesem Schritt mitzuteilen. Die Rückmeldungen sind zahlreich. Viele antworten, dass sie nur die Kirche verlassen haben, unsere Gemeindearbeit  aber durchaus schätzen und v.a. auch ihren Glauben behalten werden.

 

Und trotzdem fehlen sie uns in der Gemeinde und in unserer Kirche.

 

Ganz sachlich: Mit jedem Kirchenaustritt wird die Finanzkraft der Kirche geschwächt und damit auch die Handlungsfähigkeit der Gemeinde vor Ort, denn die Verteilung der Kirchensteuermittel erfolgt nach  Gemeindemitgliederzahlen.

 

Doch viel stärker wiegen für mich ganz andere Folgen. Die Kirche als Institution verliert an (gesellschaftlicher) Bedeutung. Nun will ich keinesfalls die Institution glorifizieren. Sie muss sich in reformatorischer Tradition immer wieder an ihrem Auftrag messen lassen und sich verändern.

 

Bei allem Reformationswillen wird sie aber trotzdem nur eine unvollendete Form dessen erreichen können, was Jesus in Gleichnissen mit dem „Reich Gottes“ beschreibt.

 

Doch vom Evangelium her muss sie an der Lebenswelt der Menschen orientiert bleiben und v.a. auch dort zu ethischen Themen Stellung  beziehen, wo die christlichen Werte in unserer Gesellschaft gefährdet sind.

 

Das Wort der Kirchen findet als Diskussionsbeitrag in Politik und Gesellschaft umso mehr Gehör, je größer der Prozentsatz der Menschen ist, die der Kirche angehören und in ihr den kritischen Diskurs suchen.

 

Dazugehören – mitgestalten – erneuern – gemeinsam in die Zukunft gehen! Dazu brauchen wir Sie und Euch!

 

Liane Scholz

 

 

 

Braucht der Glaube eine Kirche?

Nein: Denn jeder Mensch verantwortet selbst, woran er sein Herz hängt, worauf er vertraut und was ihn in der Tiefe des Lebens trägt.

Ja: Denn jeder Mensch braucht Verständigung über das, was gilt, Traditionen und Rituale, die in der Gemeinschaft lebendig sind, gemeinsame Verantwortung für das Leben.

Ein lebendiger christlicher Glaube lebt in einem dynamischen Dreieck: Ich – Wir – Gott.