Fastenzeit mal anders?

 

 

Am 17. Februar 2021 beginnt wieder die Fastenzeit. Trifft sich gut, jetzt wo man sich Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen hat! Aber warum fastet man überhaupt und wieso bietet sich dieser Brauch an, um Neues auszuprobieren?

 

Man kennt es: Jedes Jahr wird dir von Bekannten unter die Nase gerieben, auf was sie dieses Jahr zur Fastenzeit verzichten wollen: Zucker, Ungesundes, Alkohol usw. und dann fühlt man sich irgendwie schlecht.

 

Verzicht ist öde

 

Vielleicht hätte ich mir auch etwas überlegen können, aber verzichten macht halt auch echt nicht so viel Spaß… Und das liegt daran, dass ein ganz wichtiger Teil vergessen wird: Denn man soll nicht einfach nur auf etwas verzichten, sondern für etwas.

 

Während der Passionszeit, wie die Fastenzeit auch genannt wird, solle man verzichten, um wieder zu sich und zu Gott zu kehren, um sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

Seit dem Tod Jesu erinnern sich jedes Jahr Christen an seinen Todestag und bereiten sich deshalb in den Wochen vor Ostern genau darauf vor. Aber wieso denn 40 Tage? Und was hat das Fasten damit zu tun?

 

Jesus selbst hatte nach seiner Taufe 40 Tage in der Wüste verbracht und gefastet, um sich zu besinnen und wie schon oben gesagt, zu sich und zu Gott zu finden. Passion bedeutet Leiden, wir begleiten also Jesus auf seinem Leidensweg zum Tod.

 

Katholisches und evangelisches Fasten?

 

Bei der Umsetzung der Passionszeit gibt es jedoch auch wieder Unterschiede zwischen der katholischen und der evangelischen Sicht. Während die Katholiken 40 Tage lang auf Fleisch bzw. zwei von drei Mahlzeiten verzichten, sehen die Evangelen das Fasten als etwas, dass man für sich definieren und wählen darf, d. h. sie können selber entscheiden, auf was sie verzichten. Ihre Gemeinsamkeit besteht also vor allem in der Besinnung.

 

Fasten in Köln

 

Vielleicht erinnert euch das Wort „Fasten“ auch an einen anderen Brauch, den vor allem wir Kölner kennen? Richtig! „Fastelovend“ oder auch „Fastnacht“ das ist nämlich die Zeit vor dem Fasten, an dem man und frau nochmal richtig die Sau rauslassen können. In Köln sagen wir auch „Karneval“ dazu, was aus dem Lateinischen kommt und mit „Fleisch wegnehmen“
(carne levare) übersetzt werden kann. Die Karnevalszeit ist also die letzte Zeit, bevor dir dein Fleisch „weggenommen wird“, um darauf zu verzichten.

 

Und wie kann ich jetzt etwas Neues ausprobieren?

 

Man muss zur Fastenzeit nicht nur auf Essen verzichten. Man könnte z. B. das Handy in einem bestimmten Zeitraum ausstellen, um sich wieder auf das Wesentliche, sich selbst zu besinnen und vielleicht Dinge um sich herum wahrzunehmen, die man sonst gar nicht mitbekommen hätte.

 

Und wer doch näher am alten Brauch des Fastens sein möchte, macht mit dem Verzicht auf Fleisch aus altmodisch modern. War dies damals der Ursprung der Fastenzeit, ist er heute im Hinblick auf die Klima-Krise eine Möglichkeit, sich an Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit heranzutasten.

 

Weitere Ideen zum umweltfreundlichen Fasten sind unter anderem der Verzicht auf Plastik, das Auto oder sogar auf tierische Produkte.

 

Aber die Hauptsache ist, nicht zu vergessen, wofür du verzichtest. Nämlich für dich! Für dich und dein Leben, deine Umwelt, deine Erde und wenn man so will für die Schöpfung.

 

Vielleicht habe ich ja die eine oder den anderen inspiriert, diese Fastenzeit mal etwas anders zu nutzen oder überhaupt zu nutzen, um sich selbst eine Challenge zu stellen und daran weiter zu wachsen. Wenn du gerne noch mehr über das Thema erfahren möchtest, dann kann ich dir die Seite www.7wochenohne.evangelisch.de empfehlen, die Fastenaktion der evangelischen Kirche.

 

Sophie Durant