Farben sind mehr

 

 

Weiß, rot, grün, violett, schwarz – das sind Orientierungspunkte im Kirchenjahr. Normalerweise ist grün dran: die Farbe des blühenden Lebens und der Hoffnung. Besondere Zeiten wie Advents- und Passionszeit oder große Feste heben sich davon ab, symbolisch sichtbar in den Farben der Antependien, die über dem Altar liegen.

 

Antependien (übersetzt: „die Vorgehängten“) gibt es seit der alten Kirche in römischer Zeit. Sie schmücken schon immer den Altar und die Kanzel. Auch die Zuordnung ihrer Farben zu den Festen und Zeiten des Kirchenjahres ist traditionell. Im Wesentlichen stimmen sie zwischen evangelischer und katholischer Kirche überein.

 

Die Farben sind auch Bestandteil der liturgischen Kleidung der Geistlichen, immer in der katholischen Kirche und – mit zunehmender Tendenz – auch bei uns Evangelischen.

 

In unserer Landeskirche sind die meisten Gottesdiensträume sehr schmucklos und arm an sichtbarer Symbolik. Neben Kreuz und Bibel auf dem Altar bleibt meist nur das Antependium. In der Reformationszeit wurde alles das, was die Gemeindemitglieder vom Hören auf das Wort der Bibel ablenken konnte, entfernt. So kommt es, dass ein evangelischer Gottesdienst in der „Reinform“ nur aus Wörtern und Melodien besteht. Ich finde, das ist viel zu wenig, denn gerade so etwas Emotionales und über den Verstand hinausgehendes wie die Religion braucht den ganzen Menschen. Symbole, Bilder und Rituale sind Ankerpunkte, die gut tun. Ein „Ritual in Bewegung“ ist z.B. der ökumenische Kreuzweg in Sinthern und Geyen am Karfreitag. Er vermittelt – wörtlich genommen – Impulse auf dem Weg durch das Leben und stiftet im Austausch Verbundenheit über konfessionelle Grenzen hinweg.

 

Besonders ist in Sinthern noch etwas, und zwar im Kirchenladen: Seit 2008 hängt dort das „Sintherner Farbenkreuz“, das in einem künstlerischen Projekt in der Gemeinde selbst entstanden ist. Es verbindet alle liturgischen Farben, bewusst mit dem Weiß der Christusfeste in der Mitte. Das neue Antependium im Kirchenladen greift diese Motivik auf: Auf dem weißen Hintergrund verlaufen parallele Wege in den liturgischen Farben. Auf mich wirken sie als Einladung, die eigenen, so unterschiedlichen Wege im Leben mit den symbolischen Wegen des Glaubens zu verbinden.

 

Rolf Lenhartz

Violett

Violett wird als die liturgische Farbe in der Vorbereitungszeit auf hohe Christusfeste wie Adventszeit, Passionszeit sowie für die Buß- und Bettage getragen. Sie kennzeichnet also die Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten.

 

Violett ist die Farbe, die aus Rot und Dunkelblau gemischt wird: Dunkel steht sie am Ende der Farbskala – sie kann also als die Farbe des Übergangs verstanden werden und steht somit auch für Verwandlung und Neubeginn.

 

In der Physik wird damit der Farbeindruck von Flächen beschrieben, die Wellenlängen von rund 380 bis 430 Nanometer reflektieren.

 

Abgeleitet wurde die Benennung von dem französischen Begriff „Viola“ für Veilchen. Es gibt zahlreiche Violett-Farbtöne, die das menschliche Auge differenzieren kann. Daher haben sich im alltäglichen Sprachgebrauch weitere Begriffe für Farbnuancen herausgebildet. Wer welche Farbe wie genau beschreibt, ist individuell verschieden; beschrieben in einer DIN-Norm sind sie nicht. Zu den Violett-Tönen gehören zum Beispiel Lila, Pink, Magenta, Purpur. Sicherlich am häufi gsten wird der Farbton „Lila“ im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet. Dieser ist aus dem arabischen Begriff „Lilak“ für Flieder abgeleitet. Es bezeichnet ein Violett mit relativ großen Blauanteil, der sich im Lichtspektrum identifizieren lässt (ca. 420 nm). Die übrigen drei der oben genannten Violett-Töne sind eher als Mischfarben des Gehirns zu verstehen, da es diese im Farbspektrum überhaupt nicht gibt. Weder geht das kurzwellige Violett in einen Rotbereich über, noch sind in dem langwelligen Rot-Bereich Blaumischungen enthalten.

 

Diese Farbtöne werden erst im Gehirn des Menschen erzeugt. Und das funktioniert folgendermaßen: Um Farben sehen zu können, gibt es drei Zellarten in der Netzhaut des Auges, die sogenannten Zapfen. Diese reagieren auf unterschiedliche Wellenlängen. Wenn die Zapfen für Blau und Rot gemeinsam aktiv werden, entstehen daraus im Gehirn „Mischfarben“ zwischen Rot und Blau. So entstehen für das menschliche Auge Farbtöne, die im physikalischen Lichtspektrum nicht enthalten sind.

 

Daher ist die Differenzierung von Violett-Farbtönen auch so schwierig und individuell. Interessanterweise ist Violett also auch im physikalischen Sinne eine besondere Farbe, gerade in Bezug auf Übergang und Neubeginn.

 

Jonas Heinrich

Schwarz

Schwarz – dazu fällt mir einiges ein:

 

Fragt man einen Physiker, wird er als erstes sagen, dass Schwarz gar keine Farbe ist. Schwarz entsteht, wenn kein Licht reflektiert wird – so einfach ist das. Nicht umsonst sind Kameras (im Inneren) meistens schwarz – störende Lichteinflüsse sollen unbedingt vermieden werden. Tja, und beim Aufbau unserer Krippe machen wir uns den lichtschluckenden Effekt auch zunutze: Der Zwischenraum zwischen Fußboden und Krippe wird von schwarzem Tuch verdeckt – das fällt selbst nicht auf und lässt die Krippe um so kräftiger hervortreten.

 

Schwarz ist allerdings auch eine festliche Farbe: Wer sich schick machen will, zieht etwas Schwarzes an – dazu vielleicht ein rotes Tuch oder einen auffälligen Silberschmuck. Schwarz geht immer. Nicht umsonst gab es früher „das kleine Schwarze“.

 

Schwarz hat aber auch eine düstere Seite. Wenn ein Kind nur noch schwarze Bilder malt, dann sollten die Alarmglocken schrillen; intuitiv greifen fröhliche Kinder zu bunten Farben und nicht ausschließlich zu schwarz.

 

Wenn Jugendliche wie in den 1970er und 80er Jahren als Grufties herumlaufen, muss man das sicher differenzierter betrachten…

 

Wer alles nur schwarz und weiß sieht (übrigens auch keine Farbe!), kann Dinge nicht differenziert betrachten – nicht immer ganz einfach für die Umgebung. Und wer schwarz sieht, sieht alles negativ.

 

Generell ist bei uns Schwarz aber die Farbe der Trauer (im Gegensatz zum asiatischen Raum, wo bei Beerdigungen weiß getragen wird). Ein schwarzes Antependium gibt es daher in der evangelischen Kirche nur an Karfreitag und Karsamstag. Ab Ostern gilt dann wieder die Farbe der Freude, des hoffnungsvoll stimmenden Lichts – deswegen sind viele schwarze Antependien mit weißen Fäden, Tüchern oder Applikationen durchsetzt, um auf die österliche Hoffnung zu verweisen.

 

Ein schwarzes Antependium haben wir in Widdersdorf nicht – Antependien sind relativ teuer, und 2.000 Euro oder mehr für zwei Tage im Jahr auszugeben – das muss man sich überlegen. Wir behelfen uns mit schwarzen Tüchern oder Ähnlichem. Im Kreuz in Sinthern dagegen können Sie schwarz entdecken, auch hier durchsetzt mit weiß als Zeichen der Freude und der Hoffnung.

 

Sabine Blume

Grün

Für mich bedeutet die Farbe Grün Frühling; erste Sonnenstrahlen nach dem Winter, Lebensfreude bei Spaziergängen zwischen neuen grünen Bäumen und Hoffnung auf neues Leben, das heranwachsen kann.

 

Aus der Schule kenne ich diese Farbe unter anderem aus der Chemie. Im Chemieunterricht zeigt ein Universalindikator die Farbe Grün an, wenn ein Stoff neutral ist, also weder sauer noch alkalisch ist. Weder das eine noch das andere Extrem – diese Farbe verbindet gewissermaßen Gegensätze. „Alles ist im grünen Bereich“ und somit nicht besorgniserregend. Man kann beruhigt sein und muss sich keine weiteren Gedanken machen. Was habe ich noch gelernt, an der berühmten grünen Tafel? Noch andere Stichworte der Farbstoffchemie fallen mir spontan ein; Wellenlänge zwischen 520 und 565 nm oder substraktive Farbmischung aus Blau und Gelb.

 

Aus biologischer Sicht wäre ein Leben ohne die Farbe Grün sogar undenkbar. Als wichtiger Bestandteil der Fotosynthese ist die Farbe Grün der Wälder, Wiesen und all der anderen Pflanzen, mit daran verantwortlich, dass es Sauerstoff auf diesem Planeten gibt. Ohne ihn wäre unser Leben und das aller Lebewesen schlicht und ergreifend nicht möglich.
So weit hergeholt erscheinen mir diese Gedanken auch im Zusammenhang des christlichen Glaubens nicht.

 

Wie im Gleichnis vom Senfkorn wächst das Reich Gottes heran.  Durch dieses Wachstum konnte es für die Menschen eine Bedeutung erlangen, die bereits viele Jahre beständig geblieben ist.

 

Jährlich feiern wir Erntedank in der Erinnerung und Dankbarkeit an die Schöpfung. Und feiern eben dieses neue Leben und Gedeihen, welches uns ein Leben ermöglicht. Wo etwas wachsen kann, da gibt es Hoffnung, Veränderungen und neues Leben.

 

Betrachtet man nun das liturgische Kirchenjahr, so sind etwas mehr als die Hälfte der Sonntage der Farbe Grün zugeordnet. Um Christ zu sein, bedarf es nicht immer großer Feste wie Ostern oder Pfingsten, denn auch an ganz „normalen“ Tagen können wir uns an die Bedeutung solcher „besonderer“ Tage erinnern. An die Hoffnug die der Glaube den Menchen geben kann; an Leben, Harmonie untereinander und heranwachsende Stärke.

 

Theresa Waldvogel

Rot

Was haben Kirschen, Feuerwehrautos und Pfingsten gemeinsam?

 

Inhaltlich nichts, äußerlich aber verbindet sie die Farbe: Rot.

 

Im Straßenverkehr bremst sie uns aus, lässt uns anhalten, signalisiert Gefahr, regelt unser Vorwärtskommen. Beim Anblick von Feuerwehr, Notarzt und Rettungswagen schrillen direkt unsere inneren Alarmglocken – wir sind in Hab-Acht-Stellung.

 

Das ist aber nur eine Facette von Rot. Rot ist auch eine außerordentlich emotionale Angelegenheit: die Farbe der Liebe, Leidenschaft, großer Gefühle mit roten Rosen, roten Lippen, rotem Nagellack als erotischen Signalen und  gipfeln im Rotlicht-Milieu der käuflichen Liebe.

 

Manchmal sehen wir buchstäblich rot, was eine charmante Umschreibung von ‚Durchdrehen‘ ist und Zartbesaitete treten komplett weg, wenn sie Blut sehen – Rot ist schon eine extreme Geschichte, eine Farbe jenseits vom Mittelmaß.

 

Schon in Urzeiten wurden der Farbe Rot magische Kräfte zugeschrieben, es war die Farbe der Götter, der Herrscher, der Macht, aber auch der Krieger, des Kampfes und des Todes. Revolutionen waren rot, der Kommunismus und alles politisch Linke.

 

Seit Coca-Cola den Weihnachtsmann in die Welt setzte, ist auch dieses Rot untrennbar mit Weihnachten verbunden. Rote Kugeln, Kerzen, Deko verbreiten heimelige Weihnachtsstimmung.

 

Und auch in unseren Kirchen sind den Festen und Zeiten m Kirchenjahr feste Farben zugeordnet.

 

Rote Paramente, Antependien und Stolen symbolisieren die Liebe, die Kraft Gottes und des Heiligen Geistes. Sie werden an Pfi ngsten und am Reformationstag aufgehängt bzw. getragen.  Der Geist steht dabei für Gemeinschaft des Heiligen Geistes und so kommt Rot an Festen zum Einsatz, in denen die feiernde Gemeinde im Mittelpunkt steht, wie eben an Pfingsten und beim Reformationsfest am 31. Oktober, aber auch zur Konfirmation oder zur Einführung einer neuen Pfarrerin.

 

Isabell Langkau

Weiss

Mit der Farbe weiß verbinde ich Vieles, aber auch nichts. Nichts, weil es leer ist, wie ein unbeschriebenes Blatt, eine typische Wand- und Deckenfarbe, wie manche Arztpraxen, die Hemdfarbe unterm Anzug oder die vielen Möbelstücke seit mehreren Jahren.

 

Auf der anderen Seite steht es für Reinlichkeit und Sauberkeit, für Frieden, positive Leere, es ist gestaltbar bzw. dekorierbar. Es drängt sich nicht in den Vordergrund.

 

Beim Nachdenken, warum so viele Dinge, die uns umgeben, weiß sind, kommt mir noch die Neutralität in den Sinn. Weiß ist von daher neutral, da man es hervorragend kombinieren kann und es andere Dinge statt sich selbst in den Vordergrund rückt.

 

Damit das Weiß aber alle diese Eigenschaften besitzt, benötigt es Arbeit, es muss gepflegt werden. Schnell wird es unrein, man sieht es sofort. Bei an deren Farben kann sich auch mal etwas mischen, ohne dass man es sofort feststellt. Dreck auf Sneakern, Möbeln und Wänden, Eis auf dem weißen Hemd sieht man sofort, weiß rückt es in den Vordergrund.

 

Bei Frieden ist es ganz schwierig. Sollte es den absoluten Frieden geben, dann strahlt das Weiß und auch die eigenen Zähne, da man sich darüber freut. Jedoch bleibt der absolute Friede in der Realität eine Sehnsucht, die weiße Fahne wird noch öfter einen Konflikt stoppen müssen.

 

Im liturgischen Kirchenjahr steht das Weiß in enger Verbindung mit Jesus Christus. An allen wichtigen Tagen, die im Bezug zu Jesus Christus stehen, leuchtet das Weiß vom Altar. Das sind natürlich die Weihnachtstage, Gründonnerstag und mit Ausnahme von Karfreitag die Tage um Ostern bis Pfingsten. Dazu kommen noch ein paar einzelne Tage. Letztendlich geht es um die Besinnung auf den dreieinigen Gott. Aus diesem Grund hat die weiße Farbe eine große Bedeutung, da Jesus Christus der Schlüssel dazu ist und für uns Christen speziell der Ursprung unseres Glaubens.

 

Für mich ist Jesus kein unbeschriebenes Blatt, aber definitv Frieden und positive Leere. In meinem Leben drängt er sich nicht in den Vordergrund, sondern ist ein sehr wichtiger und treuer Begleiter, sowie ein Symbol des Friedens. 

 

Noël Braun