Der Schöpfungsauftrag

Genesis 1, 28

 

 

Noch 28 Jahre auf diesem Planeten – zumindest wäre das meine Rest-Lebenszeit laut statistischer Lebenserwartung in Deutschland. Und nach mir die Sintflut. Fertig. Meine ökologische Bilanz ist ohnehin schon mies.

 

Und ich bin kein Einzelfall, sondern in „guter“ Gesellschaft mit den 7,63 Milliarden Bewohnern dieser Erde, besonders meinen Artgenossen der Industrienationen. Unser Lebensstil des „Jederzeit–Alles–Massenkonsums“ und das mit ihm verbundene Wirtschaftssystem des unendlichen Wachstums droht das Ökosystem unserer Erde und damit unsere Lebensgrundlage zu zerstören.

 

Der Verbrauch an Ressourcen übersteigt die Grenzen der planetaren Belastbarkeit inzwischen um das Dreifache, die Folgen sind der Klimawandel, die Versauerung und Verschmutzung der Meere, der Verlust von Artenvielfalt, fruchtbaren Böden, Wäldern und Trinkwasser.

 

Erstmals in der 4,6 Milliarden alten Geschichte unseres Planeten haben wir unsere Umwelt so nachhaltig beeinflusst, dass es um die Zukunft einer bewohnbaren Erde schlecht bestellt ist. Wir wissen darum, wir bemühen uns in unserem Rahmen, doch die Aufgabe scheint so unfassbar groß zu sein, dass es uns förmlich zerreißt.

 

Doch genau darum geht’s! Jeder noch so kleine Schritt zählt, jeder, denn wir sind viele. Wer resigniert, verspielt die Chance, dass sich Rettendes ereignet.

 

Unsere Angst sollten wir nutzen, um Visionen zu entwickeln, um mit begrenztem Wissen und wenig Zeit zu Lösungen zu kommen.

 

Unser christlicher Glaube trägt uns, motiviert uns, gibt uns Hoffnung! Es gilt den biblischen Herrschaftsauftrag „Macht euch die Erde untertan!“ statt mit imperialer Unterwerfung und Ausbeutung neu zu entdecken: Als Verantwortungsauftrag. „Der Mensch ist der an Gottes Stelle Handelnde und hat Verantwortung.“

 

Da kommen wir Christen nicht drum herum. Die uns zugeschriebene „Gottesebenbildlichkeit“ verpflichtet uns zum achtsamen Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung, zum Erhalt, zur Anpassung unseres Lebensstils, zur Rücksicht und zur Überwindung des Irrglaubens, dass alles schon nicht so schlimm werden wird.

 

Gerade mithilfe unseres Glaubens haben wir die Chance, unser eigenes einschränkendes, kleines Denken zu überwinden, uns als Teil eines unfassbar großen Gesamtsystems zu begreifen: Wertvoll, geliebt, gehalten. Jeder Beitrag zählt.

 

Isabell Langkau

 

 

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Genesis 1,28 Lutherbibel