„Den Himmel erden“ – Frauenmahl am Morgen

 

 

Frauenmahl im Kirchenkreis Köln-Nord

aus Anlass des 90. Geburtstages von Dorothee Sölle (1929-2003)

Freitag, 1. November, 11:00 – 14:00 Uhr

Evangelische Auferstehungskirche im Görlinger Zentrum, Köln-Bocklemünd

 

Ja, das wollte sie: „Den Himmel erden!“ – Sie, das ist Dorothee Sölle, eine radikale evangelische Heilige, deren 90. Geburtstag Anlass des diesjährigen Frauenmahls ist.

 

Dazu lädt der Theologinnenkonvent des Kirchenkreises KölnNord sehr herzlich ein! Die Kölnerin Dorothee Sölle war die bekannteste, streitbarste und umstrittendste Theologin des 20. Jahrhunderts. Gründe genug, ihr einen Tag in unserem Kirchenkreis zu widmen! Sie soll mit ihren Texten selbst zu Wort kommen und uns zum Austausch an regen. Wir werden aber auch von persönlichen Begegnungen mit ihr hören.

 

Als besonderen Gast erwarten wir Bärbel Wartenberg-Potter, Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche i.R..

 

Kulinarische und musikalische Leckerbissen werden gereicht.

 

 

Dorothee Sölle: Ein nie geführtes Interview

 

Frau Sölle, Sie sind für viele Menschen ein Beispiel einer wirklichen Protestantin.

 

Protestantisch sein, das heißt für mich hauptsächlich „Einstehen für etwas“. Dazu muss man allerdings erst einmal mit wachen Augen wahrnehmen, wie die Welt wirklich aussieht. Zweitens darf man angesichts der vielen Probleme in der Welt nicht resignieren. Wir können uns den Luxus der Hoffnungslosigkeit einfach nicht mehr leisten. Und das Dritte ist dann das Einstehen für das, was man als richtig und wichtig erkannt hat. Ganz schlimm ist in unserer Zeit die „Man-kann-ja-doch-nichts-machen“-Haltung. So ist es gerade nicht und es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass das Einstehen für etwas wirklich Erfolg bringt.

 

Hatten Sie diese Einstellung schon immer?

 

In die Wiege gelegt war mir das nicht. Ich stamme zwar aus einem Elternhaus, in dem man – etwa in der Nazizeit – die Lage mit klarem Blick erkannt hat. Aber die Haltung, die ich heute habe, hat sich erst im Lauf der Zeit herausgebildet. Am meisten gelernt habe ich dabei von den einfachen Landarbeitern in Südamerika und vor allen von den vielen „einfachen Frauen“. Die sind einfach ihrem Gewissen gefolgt und haben sich gegen Unrecht, Ausbeutung, Krieg und männliche Gewalt aufgelehnt.

 

Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Sie gerade eben die Dinge genannt, die Ihnen besonders wichtig sind: Das Aufstehen gegen Unrecht, Ausbeutung, Krieg und männliche Gewalt.

 

Ganz richtig. Dagegen bin ich aufgestanden. Dafür bin ich eingetreten.

 

Das hat nicht allen gefallen.

 

Ich habe mir viel Kritik gefallen lassen müssen. Aber mehr noch: Als wir – zusammen mit vielen Tausend Freunden aus der Friedensbewegung – in Mutlangen oder Fischbach die Waffen- und Giftgaslager der Amerikaner gewaltlos blockiert haben, wurde ich festgenommen, vorübergehend inhaftiert und vor Gericht gestellt.

 

Wir leben doch in einem freien Land, wo man demonstrieren darf.

 

Frei werden wir erst, wenn wir uns mit dem Leben verbinden gegen die Todesproduktion und die permanente Tötungsvorbereitung. Wir müssen erkennen, dass Waffen auch ohne Krieg töten. Frei werden wir, wenn wir aktiv, bewusst und entschlossen für den Frieden arbeiten.

 

Zum Schluss noch eine Frage: Warum haben Sie das alles getan?

 

Es gibt Dinge, die musst du tun um deiner eigenen Würde willen, damit du dir ins Gesicht sehen kannst.

 

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

(aus: Michael Landgraf, Reformation. Angst überwinden – Aufbruch wagen, 2008, S. 104)

 

 

Dorothee Sölle (1929–2003) gehörte zu den profiliertesten Vertreterinnen eines „anderen Protestantismus“. Sie übte Kritik an der Allmachtsvorstellung über Gott und versuchte in ihren Schriften, alltägliche Lebenserfahrungen – insbesondere des Leidens, der Armut, Benachteiligung und Unterdrückung – mit theologischen Inhalten zu verknüpfen. Politisch war sie in der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung engagiert. (nach Wikipedia)

 

Auf dem Foto links: Dorothee Sölle 1981

Weitere Informationen

www.dorothee-soelle.de

Infos zu Anmeldung und Kosten

Liane Scholz

liane.scholz@ekir.de

 

Die Flyer werden ab September im Kirchenladen und Gemeindehaus ausliegen.