„dazu gehören“ – Menschen prägen unsere Gemeinde

Im Gespräch mit Irene Görtz

 

 

Als wir – die Redaktion – das Schwerpunktthema für dieses Heft planten, ging es in unserer Diskussion immer wieder auch um konkrete  Menschen.

 

Dazu gehören die vielen, die unsere Gemeinde mittragen, obwohl sie nicht regelmäßig oder nur in einzelnen Phasen ihres Lebens in der Gemeinde präsent sind. Auch sie sind uns ganz wichtig, denn sie bilden die Basis für unsere Möglichkeiten, auch finanziell. Dafür herzlichen Dank! Als Redaktion hoffen wir natürlich, dass unser Heft auch bei ihnen Interesse findet und eine Verbindung herstellt.

 

Auf die Fragen „Wer gehört alles zur Gemeinde? Wer repräsentiert das Thema dieses Heftes?“ fielen uns bei der Antwort natürlich auch die – vielen – Menschen ein, die das Gesicht der Gemeinde prägen und geprägt haben.

 

Stellvertretend für viele haben wir Irene Görtz um ein Interview gebeten. Die Journalistin Isabell Langkau, selbst einige Jahre lang Mitglied in der Redaktion, hat das Gespräch geführt.

 

Hier können Sie es lesen:

 

 

Warum bist Du all‘ die vielen Jahre dabeigeblieben und z. B. nicht ausgetreten? Was bindet Dich?

 

Tatsächlich bin ich ausgetreten – und zwar aus der katholischen Kirche, um am gleichen Tag in die evangelische Kirche einzutreten. Ein langer Prozess des Abwägens ging dem voraus, aber die Enttäuschung über restaurative Tendenzen nach der Aufbruchstimmung des II. Vatikanischen Konzils entfremdete mich „meiner“ Kirche zunehmend.

 

Ein tragisches persönliches Ereignis, bei dem mir der Beistand eines evangelischen Pastors half, gab den letzten Anstoß, mein Christsein in einer Gemeinschaft zu leben, die meinen Vorstellungen entsprach. Diesen Schritt habe ich mir nicht leicht gemacht, aber nie bereut.

 

Was bedeutet Dir Kirche und Gemeinschaft?

 

Evangelisch sein bedeutet für mich Glaubensgemeinschaft in Freiheit, demokratische Verfasstheit und gleichberechtigte Teilhabe als Frau.

 

Hast Du besondere Erfahrungen gemacht?

 

Viele meiner Erfahrungen mit Kirche hängen natürlich mit unserer Gemeinde zusammen. Darüber hinaus möchte ich auf die intensiven Erfahrungen bei etlichen Kirchentagen in ganz Deutschland verweisen – eine Wellnesskur für Kopf und Herz. Für eine tiefe und „erwachsene“ Auseinandersetzung mit dem Glauben steht für mich hier in Köln die Melanchthon-Akademie.

 

Was heißt Glaube für Dich?

 

Da ich nicht konfirmiert wurde, habe ich mir meinen Konfispruch einfach selbst ausgesucht. Nicht besonders originell, aber er drückt die Essenz meines Glaubens aus:

 

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1.7)

 

Dieser Vers hat mir in vielen Situationen meines Lebens geholfen, meine Kräfte zu mobilisieren und das, was ich nicht schaffe oder wo ich versage, letztlich Gott anzuvertrauen.

 

Was ist so wertvoll, dass Du so viel Zeit, Energie und Geld investierst?

 

Mein Engagement in der Gemeinde entspringt nicht reinem Altruismus, sondern neben dem Aufgehobensein in einer lebendigen Gemeinschaft profitiere ich auch von vielen (Lern-) Erfahrungen, die ich sammeln konnte.

 

Über mehr als dreißig Jahre hinweg habe ich Aufgaben mit sehr unterschiedlichen Anforderungsprofilen übernommen: Vom Austragen des Gemeindebriefes, der Mitarbeit im Krippenteam und bei diversen Gemeindeaktionen und -festen bis zum Vorsitz im Förderverein, dem Lektorendienst oder der Mitarbeit im Presbyterium reicht die Bandbreite.

 

Als Ehrenamtlerin kann ich mir halt aussuchen, wo ich gemäß meinen Interessen und Fähigkeiten mit anpacke und wieviel Zeit ich einbringe.

 

Wie fühlst Du Dich in Widdersdorf und in der Gemeinde?

 

Gefühle verbinde ich vor allem mit Personen und hier bin ich etlichen Menschen begegnet, die mein Leben sehr bereichert haben und es hoffentlich weiterhin tun. Beistand und Hilfe in Krisenzeiten habe ich ebenso erfahren wie Glück und Freude bei vielen Gottesdiensten und Festen, kulturellen Ereignissen wie Führungen und Konzerten sowie etlichen Gemeindefahrten u.a. nach Israel.

 

Und wenn schon von Gefühl die Rede ist: Ja, es fühlt sich gut an, gebraucht zu werden und etwas beizutragen, damit aus Gemeinde Gemeinschaft wird.

 

Was würdest Du gerne gestalten und was verändern?

 

Falls all das, was vor Corona stattgefunden hat, wieder anläuft, wäre das schon prima, denn einen Mangel an guten Angeboten kann ich nicht feststellen.

 

Was wünschst Du Dir?

 

Nicht nur hier in Widdersdorf, sondern generell wünsche ich mir eine engere ökumenische Zusammenarbeit, um die Kräfte der Menschen zu bündeln, für die die Umsetzung christlicher Werte nicht an Konfessionsgrenzen haltmacht.

 

Kooperationsmöglichkeiten gibt es reichlich, unabhängig von theologischen Streitpunkten. Unsere gut besuchten ökumenischen Spaziergänge, der Jazzabend oder unser Osterquiz für Kinder und die Gottesdienste zum Buß– und Bettag oder Weltgebetstag sind Mut machende Beispiele. Leider stemmen diese Aktionen bisher nur wenige und meist die gleichen Schultern. Neue Ideen und Mitwirkende sind herzlich willkommen.

 

Das Interview führte Isabell Langkau